Endurance Ride Possen 2019

Information

Homepage: www.enduranceridepossen.de

Rittbericht Endurance Ride Possen

Anfang September 2019 fand ein neuer Distanzritt in Thüringen statt. Da dieser quasi vor der Haustür (zumindest für uns lange Anreisen gewohnten Distanzreiter) stattfand und noch dazu im landschaftlich schönen Kyffhäuser Kreis, konnte ich mir diesen mit meiner 17-jährigen Appaloosastute Grisu natürlich nicht entgehen lassen.

Der Ritt fand auf dem Gelände des Freizeitparks Possen statt. Es gab sehr viel Platz für das Camp und durch das weitläufige Gelände, konnte man sein Lager in einiger Distanz zu den Hüpfburgen aufbauen (die dennoch aus sicher Entfernung durch den Equiden beäugt wurden). Der Ritt und die Infrastruktur waren hervorragend durch Anne Wegner und ihr Team organisiert; Wasser, sanitäre Anlagen, Stallzelt und ein riesiger Vetgatebereich ließen keine Wünsche offen. Wer keine Lust auf Campingnahrung hatte, konnte in der angrenzenden Gaststätte speisen.

Nach der Ankunft, Startmeldung und der Vorbereitung des Pferdes ging es für mich zur Voruntersuchung. Die Tierärzte untersuchten in gründlicher Manier und konnten leider zunächst keine Starterlaubnis erteilen. Grisu hatte gereizte Schleimhäute in der Mundhöhle. Der Schreck saß erst einmal tief. Mit Argusaugen beobachtete ich mein Pferd und konnte zum Glück nichts auffälliges Bemerken. Sie fraß, trank und machte einen guten Eindruck. Auf den Tipp des Tierarztes hin, versuchte ich ihr etwas Kamillentee einzuflößen, mit eher mäßigem Erfolg. Zwischen der Besorgnis ums Pferd – hoffentlich ist es nichts Ernstes – und der Enttäuschung eventuell nicht starten zu können, kroch ich mit gemischten Gefühlen in den Schlafsack.

Durch einen schönen Sonnenaufgang und freundliche Pferdegrummelgeschräusche geweckt, konnte der Ritttag beginnen. Pferd füttern, tränken, putzen und noch einmal den Tierärzten vorführen. Zum Glück war Grisu bei bester Laune und Gesundheit und durfte somit mit mir an den Start.

Ihr kennt das, erst ist ganz viel Zeit und dann urplötzlich wird es zeitlich eng. Also schnell selber was essen, umziehen, alles für die Pausen vorbereiten. Pferd satteln und trensen. Die Aufregung steigt bis zum Start und dann geht es ab auf die Strecke. Wir sind auf dem MDR über 63 km gestartet. Leider waren wir mit drei Startern nur ein sehr überschaubares Startfeld auf dieser Streckenlänge. Mein Mitreiterinnen wollten beide mit Ihren Pferden zum ersten Mal einen MDR in Angriff nehmen und dementsprechend eher ruhig reiten. Also waren Grisu und ich die alten Hasen. Ich finde die ersten Kilometer sind immer die schwierigsten der ganzen Strecke und erfordern volle Konzentration. Grisu war etwas übermotiviert und legte ein gutes aber nicht zu schnelles Tempo vor. Unsere bayrische Mitreiterin ließ sich nach hinten fallen, um mehr Ruhe in ihr Pferd zu bekommen. Also ging es zu zweit weiter. Die Strecke war super markiert und flüssig zu reiten. Unsere Pferde freundeten sich an und liefen sehr schön zusammen. Der erste Vetcheck steht an. Ein wenig kühlen und kurze Pause, dann wollen wir weiter. Alle Werte in Ordnung. Da fällt meiner Mitreiterin auf, dass Sie Ihre Checkkarte im Camp vergessen hat. Oh nein, was nun? Immerhin ist vergessen besser als unterwegs verloren, aber auch nicht toll. Also wird der Trosser bemüht die Checkkarte vorbei zu bringen, was dann auch klappt. Wir können den ersten Loop abschließen, kehren nach den 20 km ins Camp zurück, kommen gut durch das Vetgate und gehen in die Pause. Wir starten auf die zweite Runde. Und dann passiert das, wovor jeder Reiter Angst hat. Auf einem stetig leicht abfallenden Schotterweg stürzt meine Mitreiterin samt Pferd. Ich bekomme einen großen Schreck und bin sehr froh als beide erst einmal wieder aufstehen. Meine Mitreiterin, selbst eine Tierärztin, ist in größter Sorge um Ihre Stute. Das Karpalgelenk Ihres Pferdes ist offen, eine tiefe Schürfwunde. Sie selbst hat auch ein paar Blessuren. Beide stehen unter Schock und ein wenig neben sich. Reiterin und Pferd tun mir unglaublich leid. Wir führen unsere Pferde den Weg weiter, natürlich gibt es dieser Stelle kein Handynetz, um Hilfe zu holen. Zum Glück ist der nächste Wasser- und Kontrollpunkt nicht weit. Ich kann meine Mitreiterin in gute Hände an die Streckenposten übergeben und reite allein weiter. Und mache mir so meine Gedanken. War es zu schnell bergab? Hätte man doch Schritt reiten sollen? Irgendwie fühle ich mich, mit meinen vielen gerittenen Kilometer und den gewonnenen Erfahrungen, verantwortlich.

Wir kommen gut durch das nächste Vetgate und gehen auf die letzte Runde. Diese zieht sich dann doch ein wenig ohne ein anderes Pferd an unserer Seite. Insgeheim hoffe ich auf die bayrische Mitreiterin. Sie müsste uns doch einholen, wo Grisu und ich jetzt mit so viel geringerem Tempo unterwegs sind. Aber kein Pferd am Horizont zu sehen. So kommen wir mit fünf Minuten Vorsprung in Ziel getrabt. Jetzt noch durch die Nachuntersuchung. Auch diese besteht Grisu mit Bravour. Das heißt, Sieg für uns. Ich freue mich sehr und genieße die Zeit bis zur Siegerehrung mit schönem Essen und netten Gesprächen.

Am Ende war es ein sehr schöner Ritt, der mich mit tollen Erinnerungen und zwei drei grauen Haaren mehr heimfahren lässt. Freude und Leid liegen in diesem Sport nah beieinander. Aber ist das nicht im ganzen Leben so? In dem Sinne bleibt gesund und munter. Wir sehen uns beim nächsten Abenteuer Distanzritt.

Agnes Thieme

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